| |
Gut gelungener Lebensphilosophie-Leitfaden
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Vorweg etwas zynisch: Leute, das Buch ist in den 60ern in Amerika entstanden. Denkt mal drüber nach.
Wer sich ernsthaft mit diesem Buch auseinandersetzen will, sollte vorher vielleicht ein bisschen zur Figur "LaVey" stöbern, dann wird er schnell draufkommen, warum Die Satanische Bibel stellenweise einfach nur plump übertrieben und klischeeausschlachtend ist. Natürlich werden in diesem Buch Metaphern und Floskeln verarbeitet, die uns heute nur ein müdes Lächeln bzw. ein Augenrollen entlocken, ich denke allerdings, dass man da gelassen drüberlesen und sich auf die Philosophie dahinter konzentrieren sollte. Die ist zwar an einigen Stellen nicht sonderlich fein herausgearbeitet und ähnelt vielleicht einem eher "ungeschliffenen Diamenten", stellt aber eine ziemlich gute Basis für eine anständige Lebensphilosophie dar, natürlich weit jenseits von den dem Satanismus immer wieder vorgeworfenen Jungfrauen- und Gräberschändungen, Kirchenbrandstiftungen und ähnlichem Unfug: "Sei dein eigener Herr", "Dein Handeln hat Konsequenzen, für die du dich rechtfertigen können musst", "Genieße das Leben in vollen Zügen und gesunden Maßen" - und natürlich: "Sei dein eigener Gott", das finde ich sehr wichtig, denn diese Aussage unterstreicht die Verantwortung, die man in erster Linie für sich tragen muss und hindert den Menschen daran, einen Sündenbock für's eigene Fehlverhalten zu suchen. Positiv finde ich auch, dass LaVey die CoS (Church of Satan)-Mitglieder nie über einen Kamm scheren will, er betont vielmehr den "kleinsten gemeinsamen Nenner", die oben angesprochene Lebensphilosophie. Er gibt bewusst keine Auskunft über Themen wie "Leben nach dem Tod" usw., weil er jedem offen lassen will, sich ein eigenes Bild darüber zu machen, also vermeidet er Aussagen wie z.B. "Die CoS glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod". Er sucht(e) also über dieses Buch Menschen, die ähnlich "geistig unabhängig" sind wie er und schafft eine gemeinsame Gesprächsbasis über die CoS (ich will hierfür keine Werbung machen, ich selbst bin auch nicht Mitglied, nur kann man LaVey und CoS einfach nur schwer nicht in einem Atemzug nennen) und das ist meiner Meinung nach ein sehr anständiges Bestreben. Soviel zur Satanischen Bibel: Denkt den Pomp und das Tam-Tam einfach weg, konzentriert euch auf's Wesentliche und macht euch ein Urteil.
Zu den Satanischen Ritualen: Ich habe dieses Buch nur teilweise gelesen, Die Satanische Hexe habe ich ganz gelesen - mein Fazit für beide Bücher: Mir persönlich sind die vorgestellten Rituale ein bisschen zu affig und oftmals ist es wirklich nur eine alberne Klischeeausschlachtung (ich kann jeden verstehen, der mit den Augen rollt, wenn er über leicht bekleidete Frauen und Männer in schwarzen Kutten, die meiner Ansicht nach pseudo-mystische Formeln murmeln, liest). Das läuft laut LaVey allerdings unter "Psychodrama", er wird auch nicht ganz Unrecht haben, wenn er dieses Theater damit begründet, dass unter solchen Umständen (wie z.B. so ein Ritual) quasi "Energien" irgendwie "gebündelt und verstärkt" werden. Das, meiner Meinung nach, aber nur bei Menschen, die damit etwas anfangen können, der Rest lässt so etwas besser sein. Für mich persönlich fand ich nur die Bestätigung für den Gedanken, dass Konzentration und Hingabe vermutlich "etwas bewirken" können, dass es wahrscheinlich tatsächlich so etwas wie "uns unbekannte Energien" gibt, die von uns Menschen selber ausgehen. Von dieser Sichtwarte aus sind beide Bücher eigentlich ganz interessant, sicherlich aber nicht jedermanns Geschmack.
Eine Rezension von Lisa Magnolia >
vom 11. März 2010 |