Ausserordentlich
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(TOP 500 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Im Kampf um Gott: Roman (Taschenbuch) Dieses ist der erste veroeffentlichte Roman der damals 24 Jahre alten Lou Andreas-Salome (veroeffentlicht unter ihrem Pseudonym Henry Lou).
Es ist ihr erster Roman, geschrieben, weil sie die eigene Familie von ihrem Schaffen ueberzeugen wollte - und fuer uns heute ein einzigartiges Dokument ihrer schon frueh vollendeten Vorstellung davon, was Glaube und Gott in der modernen rationalistischen Zeit bedeuten koennen - und wie man zu einem neuen Gottbild gelangen kann, wenn man zu zweifeln beginnen musste.
Lou war eine bedeutende Kulturwissenschaftlerin, befreundet mit Nietzsche, Rilke und Freud - Inspiration fuer viele der bekanntesten Geistesgroessen ihrer Zeit.
Fuer sie selbst war der Verlust der Gottesvorstellung im fruehkindlichen Alter ein schweres Initiationsereignis: Wohin war Gott entschwunden? Wie konnte man wieder zurueck ins Leben, in die Begeisterung finden, wenn man in sich Gott getoetet hatte?

Genau um dieses Erlebnis geht es im vorliegenden Buch. Ein junger Mann (unser Protagonist) verliert seinen Gott im Kindesalter und leidet daran. Sein Leben wird daraus bestehen, zu einer neuen Gottesvorstellbarkeit zu gelangen.
Auf seinem Weg treffen wir verschiedene Persoenlichkeiten, die ein aehnliches Erlebnis durchgemacht, alle aber ganz verschiedene Schlussfolgerungen gezogen haben.

Was man Lous Roman vorwerfen kann, ist, dass statt einer Ausarbeitung des Inhaltes in handelnde Charaktere wir oft deren Monologe oder Dialoge lesen, in denen seitenweise Lous eigene Weltanschauung vermittelt wird, was sich teilweise wie kleine philosophische Aufsaetze liest, statt romanhaft sich fuer den Leser zu erschliessen.
Aber eben dieses kann man an dem Buch auch loben: Eine ausserordentlich tiefsinnige und vielfacettige Sicht auf das Thema zu werfen, ohne oberflaechlich zu bleiben.
Herausgekommen ist ein Weltanschauungsroman, eine Zusammenfassung von Lous Gedanken zum Thema "Gott in einer gottlosen Welt".
Ich war von dem Buch sehr beeindruckt und habe mich gefreut, ganze Passagen zu lesen, die Lou in ihren spaeteren Werken, Essays oder Briefen noch weiter ausarbeitet, deren Keimzellen hier aber schon vollstaendig vorhanden sind.

Sehr lesenswert, ein ganz ausserordentliches Erstwerk.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. Januar 2007
Kundenrezensionen:
3. Die Geschichte einer Entfremdung (Die Geburt von Religion aus dem Geiste verlorenen Glaubens)
2. Ausserordentlich (die aktuell angezeigte Rezension)
1. "Jedes Glauben schafft sich sein Erfahren."(Lou von Salomé)
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